Deutlicher konnten Deutschlands Spitzenpolitiker:innen nicht zeigen, wie wenig die Bedürfnisse und Rechte von Kindern und Jugendlichen für sie von Belang sind.

Heike Riedmann von Initiative Familien

Einzelhandel, Fahrschule, körpernahe Dienstleistungen. Nicht zu vergessen Gartencenter, Kosmetiksalons, Baumärkte, Friseurbetriebe. Das alles hat in Deutschland wieder offen – schon jetzt, oder spätestens ab nächsten Montag. Eingeschränkt und teilweise nur mit einem negativen Schnelltest, aber auf einmal ist ganz viel wieder möglich. Eines sucht man vergebens in den Beschlüssen von Bund und Ländern und auf dem Stufenplan, der angeblich für alle Lebensituationen eine klare Perspektive geben würde: eine klare Öffnungsperspektive für Kinder und Jugendliche. Schule und KiTa und damit ein zentraler Lebensmittelpunkt nicht nur für Kinder und Jugendliche, sondern auch für deren Familien, kommt gar nicht erst vor. Die Verantwortung für Kinder und Jugendliche und ihr Recht auf Bildung wird an die Länder abgeschoben. „Jetzt beginnt für viele Familien das Bangen, dass die jeweilige Landesregierung nicht versagt. Wenn weiterhin die Kollateralschäden der Schließung von Bildungseinrichtungen akzeptiert werden, dann ist klar, was Kindern und Jugendlichen fehlt: eine Lobby, die sich wirklich für sie einsetzt.” so Heike Riedmann von Initiative Familien und ergänzt: „Deutlicher konnten Deutschlands Spitzenpolitiker:innen nicht zeigen, wie wenig die Bedürfnisse und Rechte von Kindern und Jugendlichen für sie von Belang sind”.

Während sich alle anderen Bereiche auf eine Öffnung in ganz Deutschland einstellen können, wurden Schulen und Kita diesmal vollkommen ausgeklammert. Mit der Öffnung von Schulen im Wechselmodell für Grundschüler:innen und Abschlussklassen und der Öffnung von KiTas für einen Teil der Kinder, scheint das Thema Bildung für die Politik erledigt zu sein. Auch Kanzlerin Merkel sprach in der Pressekonferenz davon, dass Schulen bereits geöffnet seien. Von Kinderrechten, die über das Thema Bildung und Betreuung hinausgehen war schon in den letzten Monaten so gut wie nichts mehr zu hören.


Heike Riedmann: “Vorsicht, Verantwortung und Vertrauen, nennt Markus Söder die wichtigsten Eckpfeiler der bundesweiten Strategie. Diese Verantwortung endet offensichtlich dort, wo es um Kinder und Jugendliche geht. Die so viel zitierte Priorität können wir in der Realität immer noch nicht finden.” Initiative Familien begrüßt, dass endlich auf breiter Front Schnelltests zum Einsatz kommen und diese auch speziell Schulen und KiTas sicherer machen sollen. Dass aber gleichzeitig einem Großteil der Schüler:innen auch mit Schnelltests immer noch keine Perspektive für Präsenzunterricht oder auch nur Wechselunterricht gegeben wird, ist ein Zeugnis des Versagens für das Bildungsland Deutschland.


Kinder und Jugendliche müssen jetzt hoffen, dass die Erwachsenen mit den nächsten Öffnungen so vorsichtig und verantwortungsvoll umgehen, dass nicht wieder Schulen und Kitas zur Verhandlungsmasse werden. Verhandlungsmasse, die man bei steigenden Zahlen einsetzen könnte, um Bildungseinrichtungen dann doch noch weiter nur im Notbetrieb und nur für einen Bruchteil der Kinder und Jugendlichen offen zu halten. Die Hoffnung, sie stirbt bekanntlich zuletzt.


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