Der Berliner Senat hat die Maskenpflicht für Schulkinder der ersten bis sechsten Klasse im September aufgehoben, um die Entwicklung ihrer Sprache und Rechtschreibfähigkeiten und ihrer sozio-emotionalen Kompetenzen nicht weiter massiv zu behindern. Die jetzt im Herbst beobachtete Zunahme der gemeldeten Covid-19-Fallzahlen und bedauerlicherweise auch der schweren Krankheitsverläufe ändert nichts an der Richtigkeit dieser Entscheidung. Effektiven Schutz der für schwer COVID-19-Verläufe gefährdeten Bevölkerung leisten Auffrischungsimpfungen und systematische Tests von Personal und Besucher*innen in Alten- und Pflegeheimen, nicht eine ganztägige Maskierung von Kindern in Schulen.

Es ist bedauerlich, dass mit steigenden Fallzahlen auch wieder die Hospitalisierungen und Todeszahlen zunehmen. Jetzt die Maskenpflicht für Kinder wieder einzuführen, wäre jedoch das vollkommen falsche Signal. Es würde den Fokus der Eindämmungsmaßnahmen dort ansetzen, wo Gefahren durch Covid-19 besonders gering sind – bei Kindern und in Schulen – anstatt dort wo sie hoch sind –  bei Älteren und Vorerkrankten und in Alten- und Pflegeeinrichtungen. Das wäre kontraproduktiv für den Schutz der durch Covid-19 gefährdeten Bevölkerung. Und es würde Kinder erneut der Gefahr einer sie massiv schädigenden Eskalation einschränkender Maßnahmen aussetzen, die zur Eindämmung des Infektionsgeschehens nichts Substantielles beitragen kann. 

Kein europäisches Land hat es sich 2021 so lange wie Deutschland geleistet, Kindern den Zugang zu Schulunterricht ganz oder teilweise zu verweigern – mit all den dramatischen Konsequenzen, die das für ihre Bildungs- und Entwicklungschancen, ihre psychische Gesundheit und ihre körperliche Fitness hat. Jetzt muss sich Berlin an den besten Ländern orientieren, die Normalität für Kinder auch in Krisenzeiten garantieren, wie etwa die skandinavischen Länder. Und die in Berlin verhandelnden Koalitionsparteien müssen sich an ihr Versprechen halten, Schulen nicht erneut einzuschränken. 

Aufgabe der Politik ist es jetzt, Desinformation in Bezug auf Kinder entgegenzutreten und sachlich aufzuklären: Wenn die Fallzahlen in der Gesamtbevölkerung steigen, werden auch wieder mehr Kinder in Schulen positiv getestet. Doch Zahlen, die auf eine ernstzunehmende Krankheitslast unter Kindern hindeuten, gibt es zum Glück nicht, und damit auch kein Anlass zur Sorge um sie. Niemand, der sich nur einen Moment besinnt, möchte Kinder in erster Linie wie eine Gefahr für andere behandeln, zumal alle sorgfältig evaluierten Daten weiterhin darauf hindeuten, dass Verbreitung in Schulen eine untergeordnete Rolle spielt.
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