Wie (frühkindliche) Bildung ermöglicht werden kann in der Pandemie, ist eine der zentralen Fragen. Welche Hygienemaßnahmen sind geeignet, was ist kindgerecht? Statt nur über „Schulen auf und Schulen zu“ zu diskutieren, muss Politik und auch die einzelnen Einrichtungen vor Ort hier sinnvolle Lösungen finden.

Ein wichtiger Baustein ist eine gute Schnellteststrategie. Sie kann ganz besonders in Regionen mit höherer Inzidenz den Kita- und Schulbetrieb absichern (bzw. eine Öffnung ermöglichen, wo derzeit noch geschlossen ist), in dem durch regelmäßige Tests sehr frühzeitig einzelne Infektionen erkannt und eine mögliche Verbreitung in den Schulen verhindert wird. Bereits im November haben wir uns deshalb in einem Offenen Brief mit dem Vorschlag einer Schnellteststrategie u.a. an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, das Bundeskanzleramt sowie die Ministerpräsident:innen gewandt und versuchen seitdem, das Thema mit der Politik zu besprechen.

Empfehlungen zu Schnelltests an Kitas und Schulen von Experten:innen

Die ehrenamtliche Organisation RapidTestsDE hat mit ihrem Konzept TRACE einen konkreten Vorschlag zur Umsetzung von Schnelltests an Bildungseinrichtungen vorgelegt. Kern ist dabei der regelmäßige, anlassunabhängige Test von Kindern und Pädagogen:innen mit Antigen-Schnelltests. Die Häufigkeit der Testung hängt vom Infektionsgeschehen in der Region ab, ab einer Inzidenz von unter 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner soll erst bei minimalen Symptomen und nicht mehr anlassunabhängig getestet werden: Konzeptpapier TRACE von RapidTestsDE

Auch die Kinderärzt:innen der DGPI haben sich in Sachen Teststrategie an Schulen geäußert: Teststrategien zur Covid-Diagnostik an Schulen (DGPI)

Unsere Forderungen zu Schnelltests an Kitas und Schulen

Wir sind der Überzeugung, dass Schnelltests – sinnvoll eingesetzt und gut kommuniziert – ein wichtiger und kindgerechter Baustein sind, um dauerhaft einen verlässlichen Kita- und Schulbetrieb sicherzustellen und allen am Kita- und Schulleben Beteiligten eine angstfreie Lernumgebung zu ermöglichen. Denn auch wenn Ausbrüche, das heißt Ansteckungen, in Schulen selten sind, kann es doch zu Eintragungen von außerhalb kommen, je höher das Infektionsgeschehen allgemein ist. Ziel muss sein, durch die Tests den Präsenzbetrieb so sicher zu machen, dass (Teil-)Schließungen nicht mehr nötig sind.

  • Regelmäßige, anlassunabhängige, freiwillige Schnelltests in Kitas und Schulen
  • Häufigkeit der Testungen abhängig vom Infektionsgeschehen in der jeweiligen Region (bei niedriger Inzidenz keine anlasslosen Testungen nötig)
  • niedrigschwelliges Angebot, das heißt kostenfrei und Testung möglichst morgens daheim
  • sofern Testung in Kita / Schule erfolgen soll, muss es spielerisch in den Alltag der Kinder eingebunden sein und darf nicht stigmatisierend, verängstigend o.ä. wirken (muss so normal sein wie Zähneputzen)
  • Durchführung des Schnelltests als Selbsttest durch die jeweilige Person selbst ggf. mit Unterstützung, bei jüngeren Kindern durch die Eltern zuhause
  • auch bei minimalsten Symptomen (z.B. leichte Kopfschmerzen, Müdigkeit o.ä.) Durchführung von Schnelltests zu Hause vor Kita-/Schulbesuch
  • Großzügiges Testen bei Auftreten von einzelnen Infektionen in Bildungseinrichtungen
  • Verwendung verträglicher Tests (je jünger die Kinder, desto verträglicher müssen sie sein) z.B. „Popeltest“ mit vorderem Nasenabstrich, aber auch Weiterentwicklung von Gurgeltest, Spucktests etc.
  • Ausreichende Verfügbarkeit von PCR Testkapazitäten, um bei positivem Schnelltests schnell mittels PCR-Test nachzutesten, um das Ergebnis abzusichern (eine Selbstisolation bei falsch positivem Test darf bis zur Abklärung durch PCR nicht länger als 1 Tag dauern)
  • Transparente Kommunikation und Aufklärung über die Wichtigkeit und Durchführung der Schnelltests, aber vor allem auch über den Ablauf bei einem positiven Testergebnis
  • Systematische Auswertung der Testergebnisse (am besten durch freiwillige Datenerfassung nach heimischem Test durch Eltern, Lehrkräfte, Erzieher:innen etc.)
  • Sinnvolle Interpretation und sensible Kommunikation der Testzahlen (wenn an einer Stelle zeitweise besonders intensiv getestet wird, wird dort die Dunkelziffer ausgeleuchtet. Das darf nicht zur Benachteiligung dieses Bereichs führen)
  • Schnelltests in Bildungseinrichtungen müssen eingebettet sein in ein Testkonzept für die gesamte Gesellschaft (z.B. regelmäßige anlassunabhängige Tests bei Präsenz-Arbeitsplätzen u.ä.).

Gerade der letzte Punkt ist uns wichtig: Erwachsene, die den Großteil der Bevölkerung stellen und auch der Infektionen, müssen mit ihrem Verhalten und Maßnahmen dazu beitragen, dass das Infektionsgeschehen niedrig gehalten wird, damit Kindern und Jugendlichen eine möglichst große Normalität geboten wird. Schnelltests allein in Kitas und Schulen einzusetzen, ist ein falscher Fokus. Es ist eine gesellschaftliche Aufgabe, die Pandemie einzudämmen. Es wäre nicht verantwortlich, diese Aufgabe allein den Kindern zu übertragen.


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