Enttäuscht und mit besorgtem Blick ins neue Schuljahr reagiert Initiative Familien Hessen auf den Elternbrief des Kultusministers zum Ende des Schuljahres mit Ankündigung für das neue Schuljahr.

Das hessische Kultusministerium hatte in den letzten Monaten einen Weg zurück zur Normalität gefunden. Dabei wurden durch Maßnahmen wie Testangebote dennoch auch diejenigen bedacht, die weiterhin Schutz für nötig halten. Das neue Schreiben vermittelt nun: Von Schulen, von Schülerinnen und Schülern geht besondere Gefahr aus und/oder sie sind besonders gefährdet. 

Schon der Dank des Kultusministers an die Schülerinnen und Schüler, sich so umsichtig verhalten und im Sinne des Gesundheitsschutzes das freiwillige Testangebot genutzt zu hätten, so dass rund elf Millionen Antigen-Selbsttests seit Ostern gemacht wurden, ist unverständlich. “Damit wird der Fokus auf umfassende Testungen für Schülerinnen und Schüler gelegt. Die Forderungen des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte werden dabei ignoriert. Sie fordern schon seit Jahresbeginn ein Ende der anlasslosen Testungen1”, stellt die Bundesvorsitzende der Initiative Familien Dr. Stephanie Dinkelaker fest. “Die Situation ist eine andere als zu Beginn der Pandemie in 2020 oder 2021. Fast alle Schülerinnen und Schüler zwischen 13 und 18 Jahren sind schon geimpft oder genesen. Dies zeigt u.a. eine aktuelle Studie aus Vorpommern, die bei 95 Prozent der Jugendlichen Antikörper gegen SARS-CoV-2 fand2.” Wieviele dieser freiwilligen Tests genutzt wurden, lässt sich zudem nicht prüfen, daher gibt es für den direkten Nutzen für den Schulbetrieb keine Evidenz.

Dinkelaker und die beiden hessischen Landessprecherinnen Katrin Lena Greiner und Yvonne Alberts sind auch bestürzt über das erneute Aufrufen von Präventionswochen. “Wieder wird der Gesellschaft suggeriert, dass es die Schülerinnen und Schüler sind, die eine Gefahr darstellen”, befürchtet Greiner.  “Schließlich gibt es in Betrieben beziehungsweise Firmen keine Präventionswochen nach Urlaubsrückkehr. Aber nicht nur für die Gesellschaft, sondern auch für die Kinder selbst hat dieses Vorgehen Auswirkungen. Ihnen wird der Eindruck vermittelt: Die Rückkehr in die Schule ist gefährlich beziehungsweise der vorangegangene Urlaub war möglicherweise leichtsinnig.” 

“Bestürzt sind wir auch über die Empfehlung, bei Vorliegen einer Infektion im Klassenverband eine Maske zu tragen”, stellt Yvonne Alberts fest. “ Was Empfehlungen im Schulsetting bedeuten, sollte Herr Lorz inzwischen eigentlich erkannt haben. Wenn Lehrerinnen und Lehrer um das Tragen der Maske bitten, was viele unter Bezugnahme auf die Empfehlung des Ministers tun werden, dann wird die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler dem folgen. Freiwilligkeit gibt es im Schulsetting kaum bis gar nicht.” Greiner, die selbst Mutter von 4 Schulkindern ist, ergänzt:“ Hinzu kommt, dass sich einmal geschaffene Einschränkungen in Schulen nur sehr, sehr langsam wieder abschaffen lassen.  Die Maske wird nach dieser Ansage im Elternbrief zum Schuljahresende wieder täglicher Begleiter der Schülerinnen und Schüler. Auch hier: Entgegen den Aussagen der Expertenkommission, die eine Maske dann für sinnvoll hält, wenn sie freiwillig und damit richtig getragen wird.” 

“Wer sich als Lobbyist der Schülerinnen und Schüler bezeichnet, muss zum Wohle der Kinder und Jugendlichen andere Prioritäten setzen, als den Infektionsschutz zugunsten der Erwachsenen”, fasst Dr. Dinkelaker zusammen. “Wir brauchen für die Kinder wieder verlässliche und schöne Schule, ein Setting, in dem nicht nur Unterricht wieder mit allen Möglichkeiten stattfindet, sondern in dem es Ausflüge und Klassenfahrten gibt, auf die sich die Schülerinnen und Schüler freuen können. Das ist leider noch nicht flächendeckend der Fall.” “Wir sind weit weg von einem Schulsetting in kompletter Normalität” bedauert auch Alberts.“Inzwischen glauben Schülerinnen und Schüler, die Schule werde nur offenbleiben, wenn weitere Maßnahmen ergriffen werden und finden sich daher mit Maßnahmen ab, die die meisten Erwachsenen längst hinterfragen. Hier hat sich das Selbstverständnis in die völlig falsche Richtung verschoben”, stellt sie fest. 

Initiative Familien fordert daher: “Keine Testungen mehr, Masken nur freiwillig, Schulangebote aller Art müssen stattfinden. Schule muss endlich wieder ein schöner Lern- und Lebensort für die Kinder und Jugendlichen sein, gerade auch um die erlittenen Schäden durch die Corona-Maßnahmen wie mehrmalige, monatelange Schulschließungen wieder gut zu machen.”

Initiative Familien Hessen

hessen@initiativefamilien.de


1https://dgpi.de/lockerungen-infektionsschutzmassnahmen-kinder-03-2022/

2 https://www.aerztezeitung.de/Nachrichten/Studie-Fast-alle-Jugendliche-schon-mit-Corona-Antikoerpern-430809.html