In einem Offenen Brief machen Psycholog:innen, Kinder- & Jugendlichenpsychotherapeut:innen und Kinder- & Jugendlichenpsychiater:innen auf das Ausmaß der negativen Folgen aufmerksam, das durch die aktuellen Coronabeschränkungen für die gesamtgesundheitliche Entwicklung von Kindern und Jugendliche stetig wächst. Über alle Altersgruppen hinweg zeigen sich erschreckende Probleme. Von Angststörungen, Depressionen, Schlaf- und Essstörungen, bis hin zu verstärkten Spannungen im häuslichen Umfeld, häuslicher Gewalt, Leistungsabfall begleitet von Versagensängsten, Substanzmissbrauch und erhöhtem Medienkonsum. Erschreckend ist auch die Zunahme akuter Suizidaliät. Gesundheitsrelevante Ressourcen, die wichtig sind, um Krisen zu meistern, wie Sozialkontakte zu Gleichaltrigen, Musik und Sport im Verein, fehlen komplett.

„In wissenschaftlichen Studien, im Versorgungsalltag und in Schilderungen betroffener Kinder und Jugendlicher und deren Eltern und Familien wird seit Pandemiebeginn ein Anstieg psychischer Belastungen bei Kindern und Jugendlichen deutlich“, so Prof. Dr. Julia Asbrand, die an der Humboldt Universität zu Berlin tätig ist. Die Probleme zeigen sich über alle Altersgruppen hinweg: „Wir beobachten vermehrt Trennungsängste und Verhaltensauffälligkeiten, Aggressionen oder Schlafstörungen bei Kleinkindern, eine Zunahme von Schulängsten durch fehlende Kontinuität“ fasst Dr. Klaus Riedel, Sprecher der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut:innen Ostwestfalen-Lippe die Beobachtungen aus seinem beruflichen Alltag zusammen. Besonders die Altersgruppe der jüngeren Adoleszenten müsse dabei als stark gefährdet hinsichtlich missbräuchlicher Medien- und Internetnutzung und der Entwicklung von Essstörungen angesehen werden. „Für sie gibt es durchgehend keine Notbetreuungsangebote. Oft werden sie sich selbst überlassen – in einem Lebensalter, in dem sie um Autonomie ringen und sich von den Eltern oft nicht leicht anleiten lassen“, so Riedel.

Eine Reihe von Forderungen stellen die Expert:innen deshalb in Ihrem Schreiben auf:

  • Nötig sei ein Gremium, das sich explizit mit Kindern und Jugendlichen und ihrer Situation befasst, als fester Bestandteil in der Beratung der Regierung.
  • Die sichere Öffnung von Kitas und Schulen entsprechend der aktualisierten Vorschläge der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) und der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) sowie die Ermöglichung von Freizeitangeboten seien unaufschiebbar.
  • Zudem bedürfe es einem niedrigschwelligen Zugang zu unterstützenden psychosozialen Angeboten, nach Möglichkeit auch aufsuchend, und nicht zuletzt einer Verstärkung in der Jugendhilfe und in den Jugendämtern.

Weit über 300 Unterzeichner:innen hat der Brief inzwischen. Hier gehts zum Download: http://offener-brief-kiju.de/wp-content/uploads/2021/02/Offener-Brief_KiJu_080221.pdf


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