Viele haben den Sommer genutzt, um wieder ein stückweit mehr Normalität zu genießen. Bei uns war das anders.
„Wir brauchen gute und differenzierte Pläne für eine mögliche zweite Welle!“ – so unsere Grundforderu
ng seit den letzten Sommerferien.

Jetzt sitzen wir buchstäblich in der Kälte, irgendwo zwischen Welle zwei und drei und die Auswirkungen sind spürbarer denn je.

Die Lage ist dynamisch. Fast wöchentlich, manchmal täglich ist es notwendig, unsere Forderungen zu überdenken. Die größte Herausforderung dabei, Infektionsschutz mit Bildungschancen zu vereinbaren.

Wir fordern deshalb:

  1. Durchdachte und konsistente Konzepte für Bildungseinrichtungen. Gute Bildung kann nur gelingen, wenn alle Aspekte berücksichtigt werden. Insbesondere mit Blick auf den Kinderschutz und die Kinderrechte sowie fortlaufende Maßnahmen für Kinder mit Förderbedarf. Viele Fachgesellschaften warnen explizit vor den Kollateralschäden durch dauerhaft geschlossene Bildungseinrichtungen.
  2. Eine qualitativ hochwertige Digitalstrategie für Schulen.
    Ohne die grundlegenden Dinge, wie eine gute Versorgung mit WLAN, digitalen Endgeräten, stabilen Schulservern und ein zielgruppenfreundliches Lernportal mit qualitativ hochwertigem Angebot, sind Kinder und Jugendliche teilweise ganz von guter Bildung abgeschnitten. Dazu gehören für uns auch verpflichtende Qualifizierungen für Lehrkräfte, die Qualitätsmarker für digitalen Unterricht brauchen.
  3. Eine flächendeckende Schnellteststrategie für Bildungseinrichtungen! 
    Der regelmäßige und breit angelegte Einsatz von Antigen-Schnelltests kann dazu beitragen, Cluster frühzeitig zu erkennen und schnell Maßnahmen zu ergreifen. Wir fordern, dass Antigen-Schnelltests ausreichend verfügbar sind und gezielt eingesetzt werden. Für Kinder kann hier der Einsatz von Spuck-, Lollipop- und Gurgeltests von Vorteil sein.
  4. Eine Differenzierung nach Alter und Förderbedarf. 
    Bildung ist vielfältig, Kinder/Jugendliche noch mehr. Ein Grundschulkind hat andere Bedürfnisse und einen anderen Entwicklungsstand als eine/ein Jugendliche/r. Kinder mit Behinderung oder Förderbedarf brauchen noch einmal eine andere Form an Unterstützung. Familien mit wenig Ressourcen brauchen mehr Hilfe. Bei all den Maßnahmen muss hier dringend differenziert werden.
  5. Kindgerechter Infektionsschutz
    Gesundheitsschutz und (frühkindliche) Bildung müssen Hand in Hand gehen und sich nicht gegenseitig ausschließen. Wichtige Instrumente hierfür sind: 
    • Versetzter Unterrichtsbeginn 
    • Einbau von Luftfiltern in Räumen, in denen ein Lüften nicht möglich ist
    • Plexiglasscheiben zwischen Lehrkraft und Klasse
    • Sofern die Lehrkraft den Mindestabstand von 1,5m nicht einhalten kann: Pflicht zur Mund-Nasen-Bedeckung für die Lehrkraft
    • Kostenfreies zur Verfügung Stellen von FFP2-Masken für Lehrkräfte
    • Zusätzliches Reinigungspersonal
    • Bessere Sanitäranlagen inklusive Seifen
    • Einsatz von mehr Schulbussen (z.B. unter Verwendung von Reisebussen)
    • „Safe classes“ für Risikokinder und Kinder von Eltern oder mit Geschwistern aus der Risikogruppe (zusätzlich zur Möglichkeit des HomeSchoolings für diese Personengruppen nach ärztlichem Attest)
  6. Bildung neu denken! 
    Ein Dreivierteljahr Pandemie und es fehlt noch immer an alternativen Lösungsansätzen. Hier brauchen wir dringend eine Einbindung von LehramtsstudentInnen, ReferendarInnen oder angrenzenden Professionen. Wir brauchen alternative Raumkonzepte, kleine, feste Gruppen und den Mut, bürokratische Hürden zu überwinden.
  7. Maßnahmen, die zuerst bei Erwachsenen ansetzen, bevor Kinder, Jugendliche und der Bildungsbereich eingeschränkt werden. 
    Hier müssen wir gezielt in Bereichen wie Freizeit, Homeoffice für ArbeitnehmerInnen oder Schutzmaßnahmen für Pflegeheime ansetzen, bevor wir Kinder in Ihren Bildungschancen beschneiden. Denn Bildungsgerechtigkeit kann nur gelingen, wenn wir alle Kinder im Blick behalten.
  8. Mit uns und nicht über uns: 
    Runde Tische mit Lehrer*innen, Erzieher*innen, Schulleiter*innen, Eltern, Verbänden, Elternvertretungen, Expert*innen für Kindergesundheit und Digitalisierungsexperten*innen.
  9. Miteinander, nicht gegeneinander.
    Teilhabe von Kindern darf nicht zum Argumentationskampf zwischen Eltern und Erzieher*innen/ Lehrer*innen führen. Es braucht realistische Vorgaben von der Politik und eine Kommunikation mit Vorlauf für alle Beteiligten.
  10. Qualitäts- und Fachkräfteoffensiven,
    die ihren Namen auch verdienen. Aktuell werden Fachkräfte verheizt, da es nicht genügend qualifiziertes Personal gibt. Diese Krise hat eindeutig gezeigt, dass es strukturelle Probleme gibt. Und hier muss die Krise als Motivationsschub für Fachkräfteoffensiven dienen.